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Station 2
Wasserkragft in der Schmalzmühle
 

In der Schmalzmühle hat man bis 1970 eine Mühle und ein Sägewerk mit Wasserkraft betrieben. Im Jahr 1952 wurden vier Haag-Turbinen (Gesamtleistung 21 kW)
durch zwei gebrauchte Francis-Schachtturbinen (Leistung 30 kW) ausgetauscht.

Die Anlagenleistung ist stark von der Fallhöhe des Wassers (Unterschied Ober- zu Unterwasser), d.h. der möglichen aufzustauenden Höhe abhängig.

Einkaufskorb nicht vergessen! In der Schmalzmühle
werden neben verschiedenen Käsesorten aus eigener Herstellung auch Obstbrände und andere regionale Produkte angeboten.
Auch Käseseminare und Käseproben finden hier statt.

Mutige Vorfahren

 

 

 

 

 

Im 13. und 14. Jahrhundert gelang es den fränkischen Zollern, ihre Markgrafschaft von Schwaben bis zur Reichsstadt Nürnberg auszuweiten. Nach Erwerb ihrer späteren Residenz Ansbach eskalierten jedoch die ständigen Machtstreitigkeiten mit der Reichsstadt Nürnberg und es kam 1449 zu einem verlustreichen Krieg mit den Reichsstädtern.
Die fränkische Markgrafschaft verschuldete sich maßlos. Eine nahezu unerträgliche Steuerlast für die Untertanen und eine Erhöhung der Frondienste führte zu Beginn des 16. Jahrhunderts zunehmend zu Aufständen des Volkes und entlud sich schließlich im Bauernkrieg 1524/1525.
Die Bauern von Gerolfingen, Röckingen, Aufkirchen, Lentersheim und Beyerberg wurden vom Freibauern Thomas Wiedemann, bekannt als Schmalzmüller, der die Aufständischen anführte, auf dem Hesselberg versammelt. Nach Plünderung des Klosters von Auhausen mit Unterstützung ihrer Rieser Kollegen versammelten sich die Bauern nahe Ostheim auf dem Weg zu weiteren Plünderungen in Heidenheim.
Die verängstigten Heidenheimer hatten jedoch den Markgrafen benachrichtigt, der die rund 4.000 Bauern von markgräflichen Reitern überraschen ließ. Es kam zu einer verheerenden Schlacht. Nach Abwehr der Angriffe konnten sich die Bauern nach Ostheim zurückziehen. Als dann jedoch rund 700 gut ausgerüstete markgräfliche Soldaten aus Gunzenhausen eintrafen, das Dorf belagerten und nieder brannten, floh ein Großteil der Bauern in die umliegenden Wälder.
Knapp 1.000 Aufständische mussten in der Schlacht ihr Leben lassen, viele wurden gefangen genommen. Auch der Schmalzmüller wanderte ins Gefängnis wurde aber für ein Viertel seines Vermögens, bald wieder frei gelassen.
Wasserkraft in der Schmalzmühle
In der Schmalzmühle wurden im Jahr 1952 die defekten Haag-Turbinen (vier Stück mit einer Gesamtleistung von 21 kW) durch zwei gebrauchte Francis-Schachtturbinen (Leistung 30 kW) ausgetauscht.
Bis 1970 wurde mit den Turbinen eine Mühle und das Sägewerk betrieben. Seither wird die Wasserkraft zur Stromerzeugung genutzt und, abzüglich des Eigenbedarfs, ins Netz eingespeist.
Francis-Schachtturbine
Francis-Schachtturbine
Eine Francis-Turbine ist gleichzeitig Reaktions- und Überdruckturbine. Vom Oberwassergraben strömt das Wasser durch den Rechen (1) und die Schütze (2) in die offene Wasserkammer und durchfließt die Turbine (3). Die Turbine (3) ist auf einen Betonunterbau (4) gestellt. Die Verbindung zwischen Turbine und Unterwasser wird durch ein so genanntes Saugrohr (5) hergestellt, das die Sogwirkung des Unterwassers verstärken soll. Die stehende Welle (6) der Turbine endet in einem Kammrad (7), das die Kraft auf eine Schwungradriemenscheibe (8) überträgt. Über einen Riemenantrieb wurde die Mühle bzw. das Sägewerk bzw. wird heute für die Erzeugung von Strom ein Generator angetrieben. Für die Kraftübertragung aus der Turbinenwelle auf den Generator gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, die sich den örtlichen Begebenheiten bzw. dem Stand der Technik angepasst haben. Die Anlagenleistung ist unter anderem von der Fallhöhe (Unterschied Ober- wasser zu Unterwasser), d.h. der möglichen aufzustauenden Höhe abhängig.

Kenndaten:

Hersteller: vermutlich Fa. Voith, Heidenheim, 1908
Fallhöhe: 1,25 m
Wasserdurchfluss: je 1,6 m³/sek
Drehzahl: 55 Umdrehungen pro Minute
Anlagenleistung: je 28,5 kW, gesamt 57 kW
Jahresleistung (je nach Wassermenge): ca. 60.000 kWh/a.
Eigenbedarf: ca. 20.000 kWh/a
Verwendung
Der erzeugte Strom versorgt Haus, Stall, Käserei und Sägewerk; Überschuss wird ins öffentliche Netz eingespeist. Zukauf von Strom ist nur bei extrem niedrigem Wasserstand, wenn die Anlage nicht mehr betrieben werden kann, bzw. bei Reparaturarbeiten, notwendig.
Einsparung
Mit dieser Wasserkraftanlage wird der jährliche Ausstoß an CO2 im Mittel um
ca. 34,6 t bzw. 17.600 m³ vermindert.
Besichtigung

nach vorheriger telefonischer Absprache möglich.
Familie Friedrich König
Schmalzmühle
91717 Wassertrüdingen
Tel. 09832 - 7433
E-Mail: koenig@schmalzmuehle.de

  In der Schmalzmühle werden neben verschiedenen Käsesorten aus eigener Herstellung auch Käseseminare angeboten. Ab 2005 bietet die Familie König Ferienwohnungen an.

Wegbeschreibung

Von Wassertrüdingen Richtung Dinkelsbühl,
etwa nach 4 km der Abzweigung Richtung Reichenbach folgen.
Die Mühle liegt rechter Hand am Wörnitzufer.
Freistehendes Gehöft mit Sägewerk.

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